LWS-SYNDROM
chronisches LWS-Syndrom
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Das LWS-Syndrom ist ein Sammelbegriff für Rückenschmerz en bzw. Kreuzschmerz en, die aufgrund degenerativer (= abnutzungsbedingter) Wirbelsäule nveränderungen oder statisch-muskulär bedingter Störungen von der Lendenwir belsäule ausgehen oder den Lendenwir belsäulenbereich betreffen.
Anatomie (= normaler Bau und Zustand des Körpers) der Lendenwi rbelsäule
| Die Lendenwi
rbelsäule
(kurz: LW S) besteht normalerweise aus 5
Lendenwirbelkörpern. Bei manchen Menschen ist der 5. Lendenwirbelkörper
mit dem 1. Kreuzbeinwirbel verschmelzen. Dieser Zustand wir in der
Fachsprache als Lumbalisation bezeichnet. In diesem Falle besteht die
Lendenwi
rbelsäule dann nur aus vier Wirbelkörper. Die LW S ist normalerweise etwas nach hinten gekrümmt (Lordose). Eine verstärkte Krümmung, die auch zu Sch merzen führen kann, wird als Hyperlordose bezeichnet. |
Rückenschmerzen sind in den Industrieländern die Volkskrankheit Nummer Eins. Jeder dritte Deutsche leidet an Rückenschmerzen. Immer häufiger sind auch junge Menschen unter zwanzig Jahren betroffen.
Die Wir belsäule als statisches Achsenorgan ist in dieser Funktion großen Belastungen ausgesetzt, entsprechend häufig treten Verschleißerscheinungen auf, die über die physiologische Degeneration (= normale Abnützung) hinausgehen und deshalb oft Beschwerden verursachen. Es ist jedoch stets zu bedenken, daß auch höhergradige Verschleißprozesse nicht unbedingt mit Sch merzen einhergehen müssen, auch gibt es keine statistische Korrelation zwischen dem Ausmaß der abnutzungsbedingten Veränderungen und der geklagten Schmerzintensität. Das Vorhandensein abnutzungsbedingter Veränderungen, die theoretisch die geklagten Beschwerden verursachen können, darf deshalb nicht dazu verleiten, eine weitergehende Diagnostik (= Maßnahmen zur Erkennung eines Krankheitsgeschehens) zu unterlassen.
Auflistung vertebragener (= wirbelsäulenbedingter) Ursachen für ein LWS-Syndrom:
Degenerative Veränderungen
(= durch Abnutzung hervorgerufen)
-
Bandscheibenschäden (Bandscheibenvorwölbung,
Bandscheibenvorfall)
- ligamentäre Insuffizienz (=
Funktionsstörung von Haltebändern)
- Störung der gelenkigen
Wirbelverbindungen
- knöcherne Veränderungen
(Randzacken, Knochenwulste usw.)
Mißbildungen
-
angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel)
-
Wachstumsstörung
(z.B.
Skoliose,
Scheuermann Krankheit)
Entzündliche Erkrankungen
-
Rheumatischer Formenkreis
(z.B.
Polymyalg ia,
Morbus
Bechterew)
-
Infektionserkrankungen (Spondylitis z.B. durch Tbc, Staphylokokken)
Generalisierte Skeletterkrankungen
-
(z.B.
Osteoporose,
Osteomalazie)
Tumoren
der Wir belsäule
-
Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom)
-
Metastasen
Traumen
(= Verletzungen) (Prellungen, Frakturen)
Defekte, nicht verletzungsbedingte (z.B.
Spondylolyse,
Spondylolisthese)
Die Lendenwir belsäule ist großen statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt,
weshalb hauptsächlich dieser Wirbelsäulenabschnitt von
Schmerzsyndrome
n
betroffen ist.
Als Schmerzursache stehen wie bei der
Halswirbelsäule
übermäßige
degenerative (=
abnutzungsbedingte) Veränderungen
im Vordergrund, wobei der
Bandscheibe
eine Schlüsselrolle zufällt. Der
Wassergehalt des Gallertkernes der Ba ndscheibe nimmt im Laufe der Zeit ab und
damit die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Der
Faserring verliert allmählich seine Haltefunktion, wird rissig und teilweise für
die Gallertmasse durchlässig. Bereits in dieser Phase sind
Bandscheibenvorfälle
möglich. Das
Bewegung
ssegment wird durch diese
Bandscheibenveränderungen
nunmehr
instabil, wodurch die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden. Die
Wirbelkörper können sich dann gegeneinander verschieben, worunter die kleinen
Wir belgelenke besonders leiden und schließlich mit arthrotischen
(= krankhaften)
Veränderungen reagieren (Spondylarthrosen).
Mit zunehmender
Bandscheibendegeneration
(=
Bandscheibenabnutzung) nähern sich
die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spondylose) und
Sklerosierung (= krankhafte Verhärtung)
der Deckplatten (Osteochondrose). Allmählich kommt es zu einer Versteifung, die
an sich der Entstehung von
Rückenschmerzen entgegen wirkt ("wohltuende
Versteifung im Alter"). Jede Phase dieser fortschreitenden Degeneration kann im
Bewegungssegment Rück ensch
merzen verursachen, die auch mit
pseudoradikulärer
oder gar
radikulärer Symptomatik
(= Krankheitszeichen die auf eine scheinbar oder
tatsächlich geschädigte
Nervenwurzel zurückzuführen sind)
einhergehen können. Verschleißprozesse, die über die normale,
altersentsprechende Abnutzung hinausgehen, können auch zu einer Verengung des
Spinalkanals (Spinalkanalstenose)
führen und in den betroffenen Segmenten
Rücken
sch
merzen
hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu ((pseudoradikuläre,
radikuläre Ausstrahlungen in die
Beine,
Claudicatio spinalis
(= Funktionsbeeinträchtigung der
Beine aufgrund einer
Durchblutungsstörung im
Rücken
mark)).
Die kleinen Wir
bel
gelenke, die wegen ihrer dachziegelartigen Anordnung auch
Facettengelenke genannt werden, können auch isoliert, also unabhängig vom
Einfluß der
Bandscheibendegeneration arthrotische Veränderungen erfahren und
dann ebenfalls schme
rzhafte Blockierungen des Bewegungssegmentes hervorrufen.
Auch im Bereich der Foramina intervertebralia
(= Zwischenwirbellöcher)
können isolierte Störungen auftreten, die die zugehörigen Ner venwurzeln
irritieren oder gar schädigen und dann zu einem
Rückenschmerz
führen.
Ein
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorfall)
erfolgt meist dorsolateral
(= seitlich und nach hinten)
und kann schon bei geringem Ausmaß das Bewegungssegment blockieren. In der
dorsolateralen Region kann aber auch die Ner venwurzel
direkt tangiert bzw. eingeklemmt werden und ausstrahlende Krankheitszeichen
bewirken (Nervenwurzelkompression).
90% aller
Bandscheibenvorfälle
finden in den Etagen L4/L5 und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei
1988). Diese bevorzugte Lokalisation führt
dazu, daß häufig die Diagnose "Lumboischialgie"
gestellt wird, da die oberen Anteile des Plexus ischiadicus
(=
Nerven
geflecht aus dem der
Ischias
nerv entstammt)
bzw. Plexus sacralis (=
Nerven
geflecht
im Bereich des
Kreuzbein s) den
Nervenwurzel
n L4 und L5 entstammen.
Patienten mit Schme
rzen
nach
Bandscheibenoperationen
sind bezüglich einer
Schmerzbehandlung
sehr problematisch. Erfahrungsgemäß
nimmt die Problematik mit jeder weiteren Operation sogar noch zu. Der oben
beschriebene typische Ablauf des Abnutzungsprozesses macht deutlich, daß auch
mit einer Operation die eigentliche Schme
rzursache ja nicht behoben werden kann,
im Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr, daß der degenerative Prozeß noch
beschleunigt wird. Mit jeder Operation nimmt die Tendenz zur Instabilität zu,
abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen (= durch die Operation verursachten)
Gewebsschädigungen.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen
Bandscheibenoperationen wegen Instabilität eine
Spondylodese (= operative
Wirbelsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen
Wirbelversteifung ein Großteil der Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist
daher zu begrüßen, daß die Indikation
(= Anzeige) zur
Bandscheibenoperation in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt worden
ist. Als Grund für eine Operation ist das Krankheitszeichen "Schme
rz"
in den Hintergrund getreten. Als relative
Indikation
(= Anzeige) gelten allenfalls
unerträgliche, therapieresistente (=
nichts hilft)
Rückensch
merzen.
Beim
sog. Cauda-Syndrom (=
Rückenmarkschädigung mit Lähmung der
Beine), ebenso bei motorischen Defiziten
(= Beeinträchtigungen der Muskelfunktion),
die unter konservativer Therapie (=
Behandlung ohne Operation) bestehen
bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung
herbeizuführen.
Segmentale Rück enschmerzen mit und ohne Schmerzausstrahlungen, können auch von
den Musk eln
neben der Wir belsäule selbst und/oder den zugehörigen
Sehnen
ausgehen (myofasziales Syndrom). Über den segmentalen Reflexbogen kann auch die
benachbarte Seite mit einbezogen werden, so daß das Bild eines vertebragenen (= von der
Wir belsäule ausgehenden)
Rückenschmerz
es vorgetäuscht wird.
Häufig haben
Rückenschmerz
en auch ihren Ursprung in den
Iliosakralgelenk
en (=
gelenk
artige Verbindung zwischen
Darm
- und
Kreuzbein) (die sog.
Iliosakralgie). Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen
Patienten klagen besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über
Sch merzen im lumbosakralen Übergangsbereich
(= unterer Lendenwir belsäulen- und oberer
Kr euzbeinbereich),
aber auch typischerweise über Sch
merzen im Bereich der Spina iliaca posterior
superior (= hinterer oberer
Darmbeinstachel) mit unspezifischen
Ausstrahlungen in die
Beine (Gesäß, hinterer und seitlicher
Oberschenkel bis
zur
Wade und
evtl.
Ferse).
Neurologische Ausfälle
(=
Nervenstörungen)
bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose
„Ischiolumbalgie“.
Grobe
Hinweise auf die Art der Schädigung liefern die Abfrage der Vorgeschichte und
Beschwerdebild.
Wird ein LWS-Syndrom
bei Beanspruchung der
Wirbelsäule
verstärkt oder ausgelöst, so sind die
Bewegung
ssegmente beteiligt.
Sch
merzen, die von der Wirbelsäulenfunktion unabhängig sind, sprechen mehr
für Störungen im Bereich der Wirbelkörper.
Ein chronisches LWS-Syndrom, das von
Muskeln
und
deren Bindegewebsumhüllung ausgeht (sog. muskuloskelettaler oder myofaszialer
Ursprung) wird durch Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen ebenfalls
verstärkt, unterliegt aber häufig klimatischen Einflüssen, d.h., es tritt in
der kälteren Jahreszeit bevorzugt auf. Oft berichten die Patienten, sie hätten
sich "verkühlt".
Ein akut auftretendes LWS-Syndrom
ist häufig bandscheibenbedingt,
kann aber auch durch eine akute
Segmentblockierung (hpts. kleine Wir belgelenke) ausgelöst werden.
Ein akutes LWS-Syndrom, das mit einer monoradikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen 1 Ner venwurzel betreffend)
einhergeht, ist ein sicheres Anzeichen für einen
Bandscheibenvorfall
, gleiches gilt
für akute Sch
merzen im Zusammenhang mit einem Cauda-Synd rom
(=
Rückenmarkschädigung mit Lähmung der
Beine).
Sch
me
rzen beim Husten und Pressen
sind typisch für ein
Nervenwurzelkompressionssyndrom
bzw.
Radikulopathie (= Erkrankung / Störung einer
Nervenwurzel), z.B. infolge einer
Bandscheibenprotrusion
(=
Bandscheibenvorwölbungen) oder gar eines
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorfall).
Sch
merzen, die bei Erschütterung auftreten, können von einer
Spondylitis
(=
En tzündung an der
Wir belsäule) verursacht werden.
Ein chronisches LWS-Syndrom, das bevorzugt nachts und morgens
verstärkt auftritt, weist auf eine
generalisierte (= allgemeine)
Wirbelsäulenerkrankung
hin, z.B. Morbus
Bechterew oder Osteoporose.
Auch auf den Ort der Schädigung lassen sich bereits aus dem Beschwerdebild
Rückschlüsse ziehen.
Sch
merzen und Störungen der (Berührung
s-) Empfindlichkeit im Bereich ober- und
unterhalb des Leistenbandes weisen auf die Ner venwurzeln L1
(= 1. Segment der Lendenwir belsäule)
und L2 hin. Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren Oberschenkel bemerkbar.
Die
Meralgia paraesthetica (=
Schm erzstörung im Bereich des Nervus cutaneus femoris lateralis, rumpfnahe an
der Außenseite des Oberschenkels) ist
dagegen eine periphere (= mehr
oberflächliche)
Nervenstörung.
Sch
merzen und Störungen der (Berührungs-) Empfindlichkeit vom vorderen inneren
Oberschenkel
bis zur
Schienbein
vorderfläche
reichend, betreffen die Wurzel L4.
Beschwerden, die von der Außenfläche des Oberschenkels über den äußeren
seitlichen
Unterschenkel
zum
Fußrücken und zur Groß
zehe
ziehen, sind L5 zugeordnet, während die S1-Wurzel
(= 1. Ner
venwurzel im Kr
euzbeinbereich)
für den hinteren Oberschen
kel, hinteren seitlichen
Unterschenkel,
seitlichen
Fuß
rand und die
Zehen
3-5 verantwortlich ist.
Medikamentöse
Schmerzbehandlung:
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend)
können
zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(=
Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B.
Mobec®.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B.
Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber Rück enschmerzen nur
mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N® oder
gar Morphin)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende
Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Rück enschmerzen
(Dorsalgie)
eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch
bei einem chronischen
Schm
erz wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika):
Bei anhaltenden Rück enschmerzen
(Dorsalgie) sollten rechtzeitig alternative Methoden
eingesetzt werden.
Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder
Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen
Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in
Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.
Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wirbelsäule angrenzenden Muskulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus.
Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben.
Wird das LWS-Syndrom durch abgenutzte, entzündliche oder irritierte Inter vertebralgelenke (= kleine Gelenke zwischen den Wirbeln) verursacht, sind Infiltrationen der betroffenen kleinen Gelen ke erfolgversprechend. Kortison- Zusatz kann den Heilungsprozeß beschleunigen.
Der
Beweis für ein "Facettensyndrom"
(=
Schme
rzstörung
im Bereich der kleinen Wir
belgelenke)
als Schmerzursache,
ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen
(= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten)
Facet ten-Betäubung zu erbringen.
Langzeiterfolge durch Thermokoagulation
(= Verkochung / Zerstörung mit
Hochfrequenzstrom) der Facet ten sind
bei Rück enschmerzen nicht gesichert.
Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Ner ven- und rückenmarknahe Blockaden:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich beim LWS-Syndrom Blockaden (= Betäubungen) der korrespondierenden Ner venwurzeln (= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben der Wir belsäule).
Im Bereich der Be ine können bei entsprechender radikulärer oder pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung (= Sch merzen die auf eine tatsächlich oder scheinbar geschädigte Ner venwurzel zurückzuführen sind) der vordere Oberschenkelnerv (N. femoralis) und / oder der Ischias nerv wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe unten).
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren Oberschenkels gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der Ner ven obturatorius und cutaneus femoris lateralis, deshalb auch geeignet zur Behandlung der Meralgia paraesthetica (= brennender Schm erz an der Oberschenkelaußenseite).
Die lum bale Periduralblockade (= rückenmarknahe Betäubung im Lendenbereich), insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist beim LWS-Syndrom eine sehr effektive Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Risiko bei der Anzeige "Rückenschmerz" als vertretbar eingestuft werden.
Wenn eine Periduralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B. bei Mißbildungen, Zustand nach operativer Wir belsäulenversteifung usw.), bietet sich besonders bei Störungen im Bereich des Plexus sacralis (= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbein s) die sog. Kaudalanästhesie (= rückenmarknahe Betäubung durch einen Kanal im Kreuz bein hindurch) an, die auch mit Katheter* möglich ist, sofern dieser wegen der der Gefahr einer Entzündung seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere Lende nbereich erreicht werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt. Bei einem sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rückenschmerz kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Sch merzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Eine gute Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder geschädigten Nervs. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Sch merz gedächtnis zu löschen.
Physikalische Therapie:
Auch eine Elektrostimulation kann bei Rück enschmerzen eine Beschwerdelinderung
herbeiführen. Die transkutane
Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können.
Die Elektroden werden paarig neben der Wir belsäule im Schmerzbereich
aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der
Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation
erfordert eine strenge Patientenauswahl.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie
im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen
Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einem LWS-Syndrom
(gilt auch für andere Rück enschmerzen)
empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls Rück enschmerzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch beim LWS-Syndrom
nicht sinnvoll. Für den Patient
mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem
Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber
die
heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen
Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
die
Muskeln neben der
Wir belsäule zu trainieren, da auf Dauer
nur eine kräftige/suffiziente Mus
kulatur eine statische und dynamische
Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie)
bei der Anzeige „LWS-Syndrom“ durchaus gute Erfolge aufzuweisen.
Bei
schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnutzung hervorgerufenen)
Veränderungen der Wir belsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen
(Thomalske 1991). Eine
Magnetfeldtherapie (pulsierende
Signaltherapie) kann ebenfalls hilfreich sein.
Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur
(Schmerzakupunktur)
nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und
Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle
Ergotherapie bzw. Rückenschule). Darüber hinaus ist
anzustreben, daß Patienten mit einem LWS-Syndrom
Übungen zur Lockerung der
Mus kulatur erlernen. Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende
Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide (= bewußtseinsverändernde)
Verfahren wie autogenes Training oder
progressive Relaxation nach Jakobson sind auch beim LWS-Syndrom
eine
sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären
Entspannung führen, ebenso Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychotherapeutische Interventionen
können beim ausgeprägten "psychosomatischen Sch
merz" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Sch
merzen verstärken können.
Besteht ein chronisches LW S-Syn drom längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Die beschriebenen, invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen aber eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Nervenblockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.
Aktualisiert: 13.08.2006
k u
A
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Achillessehnenentzündung,
Adoleszentenkyphose,
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Algoneurodystrophie,
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Algurie,
alkoholische Polyneuropathie,
Amputation,
Analgetikakopfschmerz,
Anfall bei
Migräne,
anhaltende somatoforme Schmerzstörung,
ankylosierende Spondylitis,
Apoplexia,
Apoplexia cerebri,
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B
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E
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F
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Fasziitis plantaris,
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aktualisiert: >23.07.2006</> http://www.lws-syndrom.eu